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Joseph Maria Olbrich

Joseph Maria Olbrich

Troppau 1867 -
Düsseldorf 1908


Der Architekt, Designer und Grafiker Joseph Maria Olbrich studiert zunächst von 1882-1886 bei Camillo Sitte und Julius Deininger an der Staatsgewerbeschule in Wien Architektur. Nach seinem Abschluss kehrt er kurzzeitig in seinen Geburtsort Troppau (heute Oppava, Tschechische Republik) zurück und arbeitet als Bauzeichner. Ab 1890 ist er wieder in Wien und studiert bis 1893 an der Akademie der Bildenden Künste als Schüler von Karl von Hasenauer. Er gewinnt mit seinen Studienentwürfen mehrere Preise, so auch den Rom-Preis der Akademie.
Joseph Maria Olbrich reist im Jahr 1893 durch Italien und Tunesien. Nach seiner Rückkehr arbeitet er im Büro von Otto Wagner, der ihn sehr schätzt. Neben Koloman Moser, Josef Hoffmann, Otto Wagner und Gustav Klimt gehört Joseph Maria Olbrich zu den Mitbegründern der "Wiener Secession" (1897), einer als Protest der Künstler gegen den akademischen Kunstbetrieb sich abspaltenden Gruppierung, wie es sie auch in Berlin (1892) und München (1893) am Ende des 19. Jahrhunderts gibt. Olbrich beteiligt sich an der Gestaltung ihrer Zeitschrift "Ver Sacrum".
Die Künstler der Wiener Secession wollen für sich ein eigenes Ausstellungsgebäude, in dem sie ihre Arbeiten zeigen können. Sie beauftragen Joseph Maria Olbrich mit Entwurf und Planung, er enthält damit seinen ersten großen Auftrag. 1899 wird Joseph Maria Olbrich von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt nach Darmstadt gerufen. Der Großherzog plant eine Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe zur umfassenden Neugestaltung der praktischen, geistigen und ästhetischen Lebensbedingungen für den Menschen. Er ist begeistert von den neuen Tendenzen in der Kunst, reist oft nach Wien und kennt durch seine familiären Bindungen auch die Arts-&-Crafts-Bewegung in England.
Zwischen beiden Männern entsteht eine Freundschaft. Olbrich siedelt nach Darmstadt über, er ist von Anfang an der führende Kopf der Künstler der Kolonie. Als einziger Architekt entwirft Joseph Maria Olbrich alle Gebäude bis auf eines: Peter Behrens, der sich ursprünglich nur als Maler und Grafiker betätigt, entwirft sein Wohnhaus, "Haus Behrens", selbst.
Von Joseph Maria Olbrich ist das Ernst-Ludwig-Haus, das Hauptgebäude der Kolonie mit Ateliers und repräsentativer Empfangshalle, dessen großes omegaförmiges Mittelportal auf der Südseite mit den programmatischen Skulpturen "Mann" und "Weib" ist von Ludwig Habig (1900-01). Ebenso nach den Plänen Olbrichs entstehen 1900-01 das Haus Deiters, Großes und Kleines Haus Glückert, Haus Habich und das Haus Olbrich.
Zur zweiten Ausstellung 1904 baut Olbrich die Dreihäusergruppe, im selben Jahr entsteht das Oktogon mit Bildhauerateliers als Erweiterung des Hauptgebäudes. Ebenso von Joseph Maria Olbrich stammen das Städtische Ausstellungsgebäude, das Oberhessische Haus (Sabais-Villa) sowie der Hochzeitsturm, die alle 1908, Olbrichs Todesjahr, fertig gestellt werden.
Olbrichs heterogener, teils fortschrittlicher, teils historisierender Stil kommt am besten in der Architektur zum Ausdruck, die er als Gesamtkunstwerk auffasst. 1907 ist Joseph Maria Olbrich neben Peter Behrens, Peter Bruckmann, Fritz Schumacher, Richard Riemerschmid und Hermann Muthesius Mitbegründer des Deutschen Werkbunds. Ebenfalls 1907 gründet Olbrich in Düsseldorf ein eigenes Büro und beginnt mit dem Entwurf für das Kaufhaus Tietz (1909 fertiggestellt). Olbrich entwirft zahlreiche Möbel (für Gebrüder Schöndorff), Zimmereinrichtungen, Kunstgewerbeartikel, Stickereien, Gläser, Bestecke (für WMF und Eduard Hueck) sowie Keramik (für die Wächtersbacher Steingutfabrik). Seine Arbeiten sind funktionell und formschön zugleich.
Joseph Maria Olbrich stirbt jung mit 41 Jahren an Leukämie.

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